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Usbekistan – die Wüste lebt!

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Schon an der Grenze war uns dieses Land weitaus freundlicher gesinnt als Turkmenistan. Wir trafen Otto, alleinreisend in seinem Toyota Landcruiser. Hatten aber nur kurz Zeit um zu plaudern. Ein bisschen neidisch waren wir auf seinen Spaten, den er einfach an seinen Reserverad festgemacht hatte. Da konnte unser iranischer Klappspaten, den wir notgedrungen in Teheran kaufen mussten, da uns Klappi I entwendet wurde, so gar nicht mithalten.

Wenn man zu Hause erzählt wohin man fährt, kennen die meisten Leute noch den Iran, Turkmenistan oder gar Usbekistan, ähnlich wie die restlichen -stans ist den meisten kaum ein Begriff oder wie für uns vorher, ein weißer Fleck auf der Landkarte. Warum also wollen wir genau hier hin? Ganz zu Anfang unseres Blogs hatten wir es schon mal erwähnt: Viele Leute fragen uns, warum wir genau diese Route gewählt hatten. Endlich bekommt ihr eine Antwort. Vor ungefähr 30 Jahren, Conny war noch sehr jung, begab es sich, dass sich ihre Großeltern aufmachten, um eine dreiwöchige Rundreise durch Zentralasien anzutreten. Damals, zu Zeiten der Reiseproblematik als DDR Bürger, war eine Busreise bei den sozialistischen Freunden zum Glück gar kein Problem. Also reisten Oma und Opa von einem Highlight zum anderen. Mir liegt noch die Schwärmerei meiner Oma in den Ohren, wie wunderschön Bukhara und Samarkand waren. Da beide für mich unglaublich große Vorbilder sind (und ihre Schwärmerei von Kuba auch gestimmt haben), sollten also diese Highlights auch auf unsere Reiseroute.

Wenn ihr euch wenig oder nicht für Umweltthemen interessiert, überspringt bitte den nächsten Abschnitt!


Die Landschaft war immer noch karg, Wüste und Steppe prägten das Bild. Der einzige Fluss, der Amurdaya (beliebte Frage in Kreuzworträtseln) überquerten wir an der Grenze Turkmenistan – Usbekistan. Sehr groß und breit und ganz rot gefärbt fließt er dahin. Nur schafft er es nicht mehr bis zum Aralsee, so wie früher. Als Martin und ich früher im Geografieunterricht saßen und Hauptstädte, Länder und Gewässer büffelten, war der Aralsee der größte See der Erde. Inzwischen ist er ein Schatten seiner selbst. Nur noch 1/5 so groß, und ausgesprochen flach. Aber das hat keinen natürlichen Ursprung. Die Menschen, die in Usbekistan und Turkmenistan leben, wohnen in der Wüste, und um diese fruchtbar zu machen und Landwirtschaft zu betreiben, benötigen sie Unmengen an Wasser. Die Flüsse, die aus dem Pamir und umliegenden Gebirgen kommen und einst den Aralsee speisten werden in den Tälern abgeleitet. Dazu bauen die Menschen unglaubliche Wasserstraßen, Kanäle, Hebeeinrichtungen. Jeder Landbesitzer nimmt sich so einen kleinen Teil des Wassers. Betrachtet man das ganze mal per Satellitenaufnahme, sieht man dass das Wasser aus den Gebirgen (unten rechts), zwar die Täler in der Wüste schön grün macht, aber kein Wasser mehr im Aralsee ankommt.

Viel ist das ja nicht, denkt man, wenn man so einen kleinen Kanal pro Haushalt sieht. Wenn man aber mal die ganzen Ausmaße betrachtet, ergibt das schon ein ganz anderes Bild. Das umgeleitete Wasser versickert im Boden und schwemmt Dünger mit ins Grundwasser oder verdampft einfach aufgrund der großen Hitze. Und schon kommt kaum oder kein Wasser mehr im Aralsee an.

Der Aralsee vor 40 Jahren und jetzt

Ich weiß, ihr wollt hier unsere Erlebnisse nachlesen und nicht das pausenlose Gelaber über Wasserknappheit und Rohstoffe lesen. Aber uns ist das wichtig (geworden). Zuhause hat man alles, man dreht den Hahn auf, es kommt fließend sauberes trinkbares Wasser. Wir gehen in den Supermarkt, da steht alles an Obst, Gemüse, Milch und Fleischprodukten. Einfach zum Mitnehmen, recht günstig, ohne großen Aufwand. Wenn man aber mal sieht, wie es dort hin kommt, wo es unter welchen Voraussetzungen angebaut wird, wie die Menschen leben, die unsere Lebensmittel anbauen, da kommt man stark ins Grübeln.


Mal von der Wasserproblematik abgesehen, waren wir ganz gespannt, was uns erwartete. Wir fuhren zu allererst nach Bukara/Bukhara/Buxoro und was wir sahen war: Nichts. Eine relativ normale Wüstenstadt, überall Sand und schlechte Straßen, so wie wir es schon von vorher kannten. Zu erst besorgten wir uns natürlich wieder eine SIM Karte, denn ohne Internet geht ja bei uns bekanntlich nix. Dann fuhren wir nur wenige hundert Meter weite rund dort trafen wir erst ein Schweizer Paar mit einem tollen Allrad-Camper, mit denen wir eine Zeit klönten. Dann machten wir uns auf in die „Altstadt“ und wir konnten unsere Münder kaum schließen, so wunderschön restauriert war diese. Wenn man von 1001 Nacht spricht, dann muss es Bukara sein! Ihr könnt euch diese wunderbar verzierten Türme und Tore nicht vorstellen. Die Seidenschals in allen Farben die von Straßenhändlern angeboten wurden. Die großartigen Bauwerke die bereits Jahrhunderte und etliche Kriege überdauert haben. Es war wirklich wie im Märchen! Meine Oma hatte also nicht geflunkert und ich kann sie mir genau vorstellen, wie sie an den gleichen Stellen stand und nur sagte „Ach wie schön das ist!“.

Und weil ihr so tapfer bis zum Ende gelesen habt, bekommt ihr jetzt noch ein paar wundervolle Fotos, die leider der Schönheit gar nicht gerecht werden!

 

Poleposition Baku

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Nein, wir sind nicht selbst geparaglidet / parageglidet / para-geglitten. Die Paraglider waren alle bereits zu Hause, wir hatten uns für eine einsame Nacht in der Natur entschieden. An einem dieser Plätze waren wir nur auf große Distanz (3-4 km) von der Straße zu sehen. Doch wir wurden entdeckt. Eine fröhliche Truppe mittelalter Männer kam mit lauter Musik in ihrem Auto den Hügel hinauf, mit breitem Lächeln wurden wir im Land willkommen geheißen, es wurde zehn Minuten geklönt, schon war das Spektakel vorüber. Dachten wir. Keine Stunde später sahen wir schon aus der Ferne dasselbe Auto anrollen. Diesmal waren sie vorbereitet. Es wurde Bier ausgeladen, ein Hühnchen auf Spieße gesteckt, Feuerholz gehackt, Tomaten aufgeschnitten, kurzum, wir wurden urplötzlich bei uns zu Hause zum Grillen eingeladen. Nach einer halben Flasche Wodka und unserem eisernen Vorrat an Amarula hatten wir Emil und seine Freunde zu tiefst ins Herz geschlossen. Leider verpassten wir uns die nächsten Tage immer wieder, in Kontakt bleiben wir aber dennoch.

Wir wechselten abermals von der Natur in unseren ‚geliebten‘ Stadtpark. Aber nicht, ohne uns vorher nochmal die Stadt selbst anzuschauen. Ellenlange Promenaden verleihen Baku den Flair des kubanischen Malecon. Alles war wunderbarst aufgeräumt und sauber. So konnten wir zu dritt ein wenig flanieren und uns den Sonnenuntergang hinter den Flame Towers anschauen.

Bei diesen vielen Stadtspaziergängen, die eigentlich so gar nicht Laikas Fall sind, kam sie dennoch auf ihre Kosten. Denn Hunde, die als Haustiere gehalten werden, sind hier zwar grundsätzlich nicht unbekannt, aber offenbar doch sehr unüblich. So ist Laika jetzt der Star auf vielen Handybildschirmen der Azerbaijaner. Mitunter stande eine Traube von 10-12 Menschen um uns herum und war total interessiert an unserem Wuff. Für viele Menschen war Sie sogar der erste Hund, den Sie jemals gestreichelt haben. Sie ist eben nicht nur eine kleine Prinzessin, sondern auch die Botschafterin der Hunde.

Aber nicht nur fesche Promenaden, neueste Architektur und Altstadt gab es zu bestaunen, sondern auch der Grund des Reichtums des Landes. Öl. Aus Deutschland kennen wir hier und da mal eine Ölplattform auf See, doch was sich in dieser Stadt darbot, war der Hammer. Mitten in Wohngebieten, Parks, an der Promenade, innerhalb von Sportanlagen, ja überall gab es diese kleinen Öl-Pumpen. Es gab sogar eine Öl-Universität!

Also alleine für diesen Anblick lohnt sich der Besuch in Baku. Wir haben sogar herausgefunden (Achtung, jetzt lernt ihr was!), dass das Öl dort aus einer Tiefe von circa 500 m gefördert wird und die erste kommerzielle Ölbohrung dort gemacht wurde. Siehe Gerät hier.

Wie facettenreich die Stadt Baku eigentlich ist, kann man an jeder Ecke sehen. Als wir in Baku ankamen, wunderten wir uns über die aufgestellten Zäune an den Bürgersteigen, dachten uns aber noch nichts dabei. Andere Länder, andere Sitten…? Irgendwann, wir waren ja schließlich eine Weile dort, sahen wir, dass Werbung angebracht wurde. Es liefen also die Vorbereitungen für das Formel 1 Rennen. Wir kannten Baku nun inzwischen schon wie unsere Westentasche und ließen es uns nicht nehmen, die Strecke mal abzufahren. Ernst, die Rennsemmel, hat sich ganz gut geschlagen, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30km/h waren wir nur etwas langsamer als … alle.

Als dann endlich das Paket aus Deutschland eintraf, konnten wir uns kaum mehr zügeln nicht sofort mit Vollgas gen Süden zu eilen. Gut, dass wir uns bremsen konnten, denn ansonsten hätten wir den urwaldartigen Süden des Landes nicht in würdiger Erinnerung halten können. Wie schon gesagt, eine wirklich wunderschönes und abwechslungsreiches Land.

Einmal falsch abgebogen

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Also mal ganz ehrlich, was wisst Ihr von Azerbaijan? Bei uns hörte das Wissen über dieses kleine Land am Kaspischen Meer damit auf, dass es eben am Kaspischen Meer liegt, die hauptstadt Baku heißt und vor ein paar Jahren mal jemand aus diesem Land den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Das für diese Veranstaltung, welche dann ja immer darauffolgend im Lande des Siegers stattfindet, dann extra eine Halle gebaut wurde, haben wir noch irgendwo am Rande mitbekommen, aber das war es dann irgendwie auch. Das Gute daran ist, dass wir wirklich alles andere als voreingenommen den Grenzübertritt wagten. Auf Georgischer Seite wünschte ein Schild noch „Good Luck“, wodurch man mit einem zwiespältigen Gefühl in die Kontrolle einfuhr. Glück brauchte es aber wirklich nicht. So einen Grenzübertritt hat wohl bisher noch kaum jemand erlebt, immerhin wurden wir von den Grenzbeamten zu Tee und Kuchen eingeladen, weil es leichte Verzögerungen mit unserem E-Visum gab. Viele freundliche Worte, persönliches Geleit zu den einzelnen Stationen und ebenfalls sehr freundliche und fröhliche Einheimische die an den Schaltern warteten, gaben uns einen Vorgeschmack auf eine vollkommen andere Mentalität.

Die Vielfältigkeit dieses Landes ist wieder einmal enorm, so ging es über Schotterpisten (98% der Straßen seien befestigt) durch große Hasel- und Walnusswälder, vorbei an den südlichen, kahlen Ausläufern des Kaukasus-Gebirges, hinein in eine Steppen- und Wüstenlandschaft. Wir wollten Natur sehen und das außergewöhnlichste was Aserbaidschan zu bieten hat, waren Schlammvulkane. Ja genau, Berge, die mit Matsch werfen! Herrlich. Gesagt, Route gesucht, gefahren, ernüchtert. Google Maps hat also an manchen Stellen doch Nachholfbedarf. Nicht nur, dass sie „Straße“ nur eine festgewordenen, rumpelige Matschpiste war, sie war auch noch unglaublich lang. Wir konnten 20 km dieser Piste nur in Schrittgeschwindigkeit fahren. Man hofft ja immer, und manchmal hat man recht damit, dass die Straße nach einer gewissen Zeit besser würde. Diesmal weit gefehlt.

Als wir unseren Vulkan schon fast sehen konnten, verhinderten Schlammpfützen, fehlende ‚Straßen‘ und Neigungswinkel jenseites der 30° ein Weiterkommen. Ein netter Schäfer kam zu uns und erklärte mit Händen und Füßen, dass es für uns hier nicht weiterging, es jedoch auf der anderen Seite des Berges einen Weg gäbe. Wir begutachteten diesen und stellten 30 cm tiefe Furchen fest. Unüberwindbar für Ernst? Naja, ihr kennt uns. Es kam also auf einen Versuch an. Martin am Steuer, Laika schlafend, Conny als Einweiser. Ging doch! Wir fuhren weiter und weiter an den Vulkan, dessen Durchmesser ungefähr einen Kilometer betragen haben muss. Kurz bevor es dunkel wurde, zog Nebel auf und unser Vulkan wurde unsichtbar. Wir suchten uns einen Platz zum Übernachten. Menschen oder Häuser gab es ja keine mehr hier und wir warteten den nächsten Morgen ab. Mist. Also immernoch Nebel. Den Vulkanspaziergang konnten wir uns klemmen. Wir würden weder zum Vulkan noch wieder zurückfinden. Also hieß es: Ab Richtung Zivilisation. Den gleichen Rumpelweg zurück? Oder doch das nehmen, was etwas mehr wie Weg aussah auf Google Maps, wo aber keine Straße beschrieben war? Nun ja, wir versuchten unser Glück auf dem neuen, unbekannten Weg. Der nächtliche Nebel und die hohe Luftfeuchtigkeit waren aber gegen uns. Der Weg war matschig, teilweise stand das Wasser wohl schon länger. Plötzlich war da soetwas wie ein Deich… Mit Sichtverhältnissen unter 10 m konnte man nun auch nicht sehr vorausschauend fahren oder überhaupt wissen wo es lang ging. Die meisten Matschlöcher überwanden wir trotzdem einfach mit viel Schwung und die ein oder andere Bodenwelle war auch etwas unsanft, aber wir konnten uns schließlich aus Matschnebelniemandsland befreien. Zwei Bergketten weiter wehte Wind der den Nebel davon, die Sonne kam zum Vorschein und das herrlichste Wetter überhaupt war zu sehen. Enttäuscht, den Vulkan verpasst zu haben, trotz dieser Fahrstrapazen, suchten wir uns den kürzesten Weg zu einer befestigten Straße. Und da war er auf einmal! Unser eigener kleiner Matschvulkan. Wir kletterten hinauf, Martin machte Fotos und Laika suhlte sich unglücklicherweise für alle Beteiligten in der Pampe. So hatte dieser Ausflug doch noch ein Happy End und Laika einen Stealthpanzer.

In jenem Wüstenteil, einer Halbinsel im Kaspischen Meer, wächst nun aber auch eine hochmoderne Metropole aus der alten Stadt Baku heraus. Immer abwechselnd mit alten großen Hochhäusern aus Sowjetzeiten entstehen hier immer mehr funkelnde Prachtbauten, des Nachts durch viele LEDs der ganzen Stadt ein glitzerndes Antlitz verleihend. Es sind zwei Welten die hier direkt nebeneinander entstehen, denn von der ganzen Pracht ist auf dem Land und in kleineren Städten wenig bis gar nichts zu sehen. Außer natürlich den riesigen Flaggen, die in diesem Teil der Erde einfach nirgends fehlen dürfen. Eigentlich wollten wir hier in Baku nur schnell das Visum für Usbekistan beantragen, die knappe Woche Bearbeitungszeit abwarten und dann weiter in den Iran… Aber ihr wisst ja, wie das mit Plänen so ist, denn nun kamen wieder unsere Radlager ins Spiel. Wir hatten einige Firmen gefunden, die auf Kugellager spezialisiert sind, das passende liefern konnte davon leider keine. Was sie aber konnten war, uns anzubieten etwas aus Deutschland zu deren Adresse schicken zu lassen. Uns wurde gesagt der Versand dauerte 3-5 Tage, und das passte super in den Zeitablauf. Dies war einer der Momente, wo man sich vor Dankbarkeit über seine tollen Freunde zu Hause überschlagen könnte, denn dort sprangen Marcel und Svenja sofort in Lüneburg ins Auto, brausten nach Hamburg, kauften in zwei Läden die benötigten Teile und schubsten diese noch am selben Tag, an dem wir um Hilfe baten, in die Post. Ganz lieben Dank nochmal! Okay, in Deutschland stand leider Ostern vor der Tür…muss man vielleicht der DHL zu Gute halten…aber aus den erhofften 3-5 Tagen wurden leider doch ganze zwei Wochen.

Wir verbrachten die meiste Zeit des Wartens in einem neu angelegten Stadtpark, direkt an der Küste. Wir standen offenbar sehr lange dort, denn an den öffentlichen Toiletten brauchten wir nach kurzer Zeit nicht mehr nur nicht bezahlen, nein, wir bekamen sogar Bonbons geschenkt und viele liebe Grüße der Gärtner und Landschaftspfleger begleiteten jeden Tag. Ungenutzt wollten wir diese Zeit natürlich nicht lassen, so wurde selbstverständlich auch der Norden des Landes mit den Candy Mountains und den weitläufigen Obstplantagen besucht, aber auch Ernst sollte seine Pflegeeinheit bekommen.

Da der Motor nach der ganzen Kraftstoffsache in Georgien ziemlich rumpelig klang, war der Besuch in einer Fachwerkstatt angesagt. Bosch Dieselservice Baku klang da genau richtig. Wie die Ameisen stürzten sich gleich vier Mechaniker auf Ernst‘s Herz. Sie horchten, schraubten, verstellten, überprüften und tauschten letztendlich sogar den kompletten Tankinhalt aus.

Eine Schulung, wie man schlechten Diesel erkennen kann, gab es auch noch, denn die Qualität ist hier wohl unter aller Kanone. Vor einigen Jahren sprach man sogar von bis zu 30% Wasser im Diesel. Über vier Stunden werkelte man so herum…, das schlechte Gefühl, nicht genug Bargeld dabei zu haben, wuchs stetig. Zu unrecht. Denn Reisenden muss man helfen, so will es die Kultur in diesem Land. So großzügig wie es hier ausgelegt wurde, ging es uns aber schon arg ans Herz und an die Tränendrüsen, denn Geld wollte man von uns absolut nicht annehmen. Unsere Dankbarkeit für diese Menschen wird Ihnen hoffentlich Lohn genug sein, denn derer können Sie sich gewiss sein.

Ungewisses Warten kann zu einer Qual werden. Tag um Tag verging im Stadtpark von Baku. Aber in unserem Fall war es eines Tages dann doch Glück, denn sonst hätten wir viele tolle Leute nicht getroffen, die auf Ihren Spaziergängen bei uns anhielten und sich freundlich und interessiert mit uns unterhielten. Ein ganz besonderer davon war Cavid. Ein unglaublich liebenswerter junger Ingenieur, der uns einlud, ihn und seine Freunde zum Paragliding in den naheliegenden Bergen zu begleiten. Da wir gerade einen ziemlich leeren Terminkalender hatten und gespannt wie die Flitzebogen waren, sagten wir zu. Diese Momente, an denen man wirklich in echten Kontakt mit den Menschen kommt, sind wohl der schönste Teil des Reisens. Wir verbrachten zwei tolle Ausflüge in der Abgeschiedenheit des südlichen Kaukasus mit der ganzen Truppe um Cavid, wurden direkt als dazugehörig akzeptiert und hatten viele lustige und interessante Gespräche. Ob wir uns getraut haben, selbst einmal abzuheben…?

Reisen mit Hund – Vorbereitung, Reiseziel, Tägliches Leben

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Da stand er nun, der Plan auf Weltreise zu gehen. Aber an was musste man alles denken? Und vor allem, was ist mit dem Hund? Sechs Monate bevor es bei uns losgehen sollte, kam unser kleiner Sonnenschein namens Laika zu uns. Das bedeutete vor allem zwei Dinge: Erstmal häufige Pipi-Pause am Anfang und später so einiges an Umstellungen. Worauf wir alles geachtet haben, wollen wir euch heute mal erzählen.

Vorbereitung mit und ohne Hund

Bevor man mit seinem Wuff (oder auch Miez, wie wir unterwegs gelernt haben) losfährt, sollte man sich ausgiebigst an den Gedanken gewöhnen, dass man einiges, was als tierloser Reisender möglich war, gleich mal abhaken kann. Und, dass es einiges an mehr Vorbereitung benötigt, als wenn man alleine unterwegs ist.
Doch wie haben wir uns vorbereitet? Ehrlich gesagt, war unser Hund noch ziemlich jung (7 Monate) als es losging, daher war die Zeit der Vorbereitung gespickt mit Hundeschule (Human Dogs in Berlin), Grundkommandos üben und Basis-Tierarztbesuche wahrnehmen. Wie sollte man so einen kleinen Hund auf etwas vorbereiten, wovon man selbst also nur eine vage Ahnung hatte.

Das wichtigste war also:

  1. Überlegen wo es hingehen soll.
  2. Einreisebestimmungen in Erfahrung bringen
  3. Nötige Impfungen / tierärztliche Vorsorge treffen
  4. Dem Hund Auto fahren beibringen und lernen an Grenzübergängen und Kontrollen niedlich zu sein

Die Wahl des Reiseziels

Bei der Wahl des Reiseziels ist man mit einem Vierbeiner von nun an stark an diesen gebunden. Man sollte sich also einerseits fragen:

Möchte ich meinem Hund eine lange Auto/Zug/Bus/Flug-Reise zumuten?
Ist mein Hund körperlich schon/noch so fit, dass er das mit gutem Gewissen schafft?
Hat der Hund Spaß am Reisen mit euch?
Könnt ihr euch während der Reise ausreichend (kommt auch auf die Rasse an) und hundegerecht um ihn kümmern?

Unsere Weltreise sollte also einmal von Berlin nach Boston Richtung Osten gehen. Durch Länder, in denen weder wir, noch Bekannte schonmal waren. Also der absolute Weg auf Abwegen. Das bedeutete, dass man einserseits die Sprache nicht spricht und eben die Einreisebestimmungen nicht erfahren kann oder aber, dass man an Grenzen steht und sich einfach nicht verständlich machen kann, dass der Hund gesund ist. In unserem Fall haben wir sämtliche Foren, Regierungsseiten und den Google Übersetzer gequält, bis wir für alle Länder die Einreisbestimmungen erfahren hatten. Unsere geplanten Reiseländer waren die EU, Türkei, Georgien, Azerbaijan, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadjikistan, Kirgisistan, Kasachstan, Russland, Mongolei, Japan, USA, Kanada. Beim Klick auf das jeweilige Land kommt ihr zu den von uns gefundenen Bestimmungen.

Nachdem ihr nun wisst, wo es hingeht, und was euer Hund braucht, um stressfrei einreisen zu dürfen, führt der nächste Weg zum Tierarzt. Erzählt ihm von eurem Vorhaben! Unsere Tierärzte in der Tierklinik Oerzen fanden das alles sehr spannend und haben uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Falls ihr also in Norddeutschland wohnt, geht dort unbedingt vorbei, sie sind großartig und  auf Hunde spezialisiert! Für unsere Reiseländer brauchte Laika lediglich eine gültige Tollwutimpfung, dazu haben wir noch eine Wurmkur mitbekommen, die wir alle drei Monate anwenden und Floh-, Mücken- und Zeckenschutz (in Tablettenform) die einen Monat Wirksamkeit haben. Bevor wir losgefahren sind, haben wir uns noch einen EU-Heimtierausweis ausstellen lassen (er ist auf verschiedenen Sprachen, leider nicht auf Russisch) und einen sogenannten Tollwut-Titer-Test machen und in den EU-Heimtierausweis eintragen lassen. Letztgenannter ist nicht gerade billig, aber ein zertifiziertes Labor stellt die Wirksamkeit der Tollwutimpfung fest. Dieser wird fast überall auf der Welt anerkannt und hilft dabei wieder zurück in die EU zu reisen.

Die Hundeapotheke

Als Übermutter des kleinen Schnuffelwuffs hatte ich Sorge, dass dem Hund unterwegs etwas passiert und wir ihm dann keine schnelle Hilfe zukommen lassen können, da andere Länder eventuell kein gut ausgebautes Tierarztnetz haben. Also habe ich eine kleine Reiseapotheke zusammengestellt. Folgende Sachen sind darin gelandet:

Grenzübergänge meistern

Obwohl man sich vor der Reise ausreichend mit den Einreisebestimmungen der einzelnen Länder auseinandergesetzt hat, kommt es an der Grenze dann doch meist anders. Die meisten Grenzübergänge hat Laika einfach als süßer Beifahrerhund passiert. Die Grenzbeamten haben sie gestreichelt und niedlich gefunden, aber niemand hat gefragt. Aber manchmal wird eben doch kontrolliert. Dann wird geschaut, ob der Hund wirklich der Hund ist, wie im EU Heimtierausweis beschrieben. Dazu sollte auf jeden Fall ein Foto eures Vierbeiners im Pass kleben und er muss gechipt oder sichtbar tätowiert sein. Meistens hat niemand an den Grenzen ein Chiplesegerät. Für längere Reisen empfehle ich also euch selbst ein günstiges zu besorgen (so wie dieses). So gibt es keinen Ärger an der Grenze.

Training

Wenn ihr mit eurem felligen Mitwohner unterwegs seid, denkt daran, dass es auch für ihn eine große Umstellung ist. Er ist entfernt von seiner gewohnten Umgebung, der Tagesablauf ist anders und überall wo er hinkommt sind neue Gerüche und Eindrücke, die er noch nie wahrgenommen hat. Vielleicht seid ihr auch in einem Gebiet, in dem Hunde nicht gern gesehen werden oder sogar gefürchtet. Es gibt eben auch Länder, in denen Hunde als unrein gelten (Islam). Das Anspringen, Ablecken oder nur Berühren gilt als Affront. Gebt eurem Tier also Zeit sich an die geänderten Umstände zu gewöhnen. Vielleicht hört er die ersten paar Tage nicht mehr gut, schläft sehr viel oder führt einfachste Kommandos nicht mehr aus, die sonst wunderbar geklappt haben. Habt Geduld! Geht wieder ein par Schritte zurück. Aber vor allem, nehmt ihn an die Leine, wenn er keinen sicheren Rückruf kann.

Tägliches Leben

Genau wie zu Hause, sollte der Hund auch unterwegs eine Routine haben. Das muss kein Futter auf die Minute pünktlich sein, aber der morgendliche Spaziergang nach dem Aufstehen oder bestimmte Kommandos bevor es Futter gibt. Das hilft ihm, sich zu orientieren und einzugewöhnen. Wir machen es so, dass einer von uns mit dem Fluff direkt nach dem Aufstehen eine kleine Runde geht. Wenn das Menschenfrühstück, bzw. -abendessen fertig ist, bekommt der Hund sein Futter. Mittags oder – wenn es zu warm ist abends – gehen wir eine große Runde. Das machen wir aber immer wenn es noch hell ist, sonst ist Laika etwas unsicher. Vor dem Schlafengehen gibt es nochmal eine schnelle Pipi-Runde. Wann immer es möglich ist, nehmen wir sie mit. In Supermärkte und in Kletterhallen darf sie natürlich (leider) nicht, aber sonst ist unsere Maxime: Ohne Hund, ohne uns! Da lassen wir dann auch mal Sehenswürdigkeiten aus.
Versetzt euch im täglichen Leben auch mal in seine Lage. Unterschiedliche klimatischen Bedingungen empfindet auch euer Wautz manchmal als unschön. Laika hat zum Beispiel langes, dichtes, schwarzes Fell. Sobald sie beim Autofahren in der Sonne liegt (und mag es draußen noch so kalt sein), ist ihr sofort zu warm. Daher haben wir einen Lüfter, der nur für sie ist. Außerdem solltet ihr immer (auch während des Fahrens) dem Hund ausreichend Wasser zur Verfügung stellen. Wir haben dafür diese Flasche und diesen Trinknapf immer im Staufach vorn dabei. Achtet auch gerade beim Fahren darauf, dass euer Hund einen sicheren Platz hat, also angeschnallt ist, nicht wegrutschen kann und sich sonst nicht bei dummen Gedanken verletzen kann. Laika sitzt bei uns vor auf dem Mittelplatz, hat immer ein Geschirr (so eins) an und ist angeschnallt (damit). Wichtig ist auch, dass ihr den Hund beruhigen könnt, wenn das Auto ungewohnt rumpelt und sich bewegt. Menschliche Nähe tut ihm  so gut.

Und der allerwichtigste Punkt kommt zum Schluss: Habt Spaß! Ihr liebt euren Vierbeiner, also schnappt ihn euch und sein Bällchen und ab auf die nächste Wiese, Strand, Berg, was auch immer in der Nähe ist. Soviel Zeit, eine Bindung aufzubauen, wie während des Reisens werdet ihr nie wieder mit eurer Fellnase haben und diese Zeit mit euch wird er lieben!


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