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Reisen mit Hund – Vorbereitung, Reiseziel, Tägliches Leben

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Da stand er nun, der Plan auf Weltreise zu gehen. Aber an was musste man alles denken? Und vor allem, was ist mit dem Hund? Sechs Monate bevor es bei uns losgehen sollte, kam unser kleiner Sonnenschein namens Laika zu uns. Das bedeutete vor allem zwei Dinge: Erstmal häufige Pipi-Pause am Anfang und später so einiges an Umstellungen. Worauf wir alles geachtet haben, wollen wir euch heute mal erzählen.

Vorbereitung mit und ohne Hund

Bevor man mit seinem Wuff (oder auch Miez, wie wir unterwegs gelernt haben) losfährt, sollte man sich ausgiebigst an den Gedanken gewöhnen, dass man einiges, was als tierloser Reisender möglich war, gleich mal abhaken kann. Und, dass es einiges an mehr Vorbereitung benötigt, als wenn man alleine unterwegs ist.
Doch wie haben wir uns vorbereitet? Ehrlich gesagt, war unser Hund noch ziemlich jung (7 Monate) als es losging, daher war die Zeit der Vorbereitung gespickt mit Hundeschule (Human Dogs in Berlin), Grundkommandos üben und Basis-Tierarztbesuche wahrnehmen. Wie sollte man so einen kleinen Hund auf etwas vorbereiten, wovon man selbst also nur eine vage Ahnung hatte.

Das wichtigste war also:

  1. Überlegen wo es hingehen soll.
  2. Einreisebestimmungen in Erfahrung bringen
  3. Nötige Impfungen / tierärztliche Vorsorge treffen
  4. Dem Hund Auto fahren beibringen und lernen an Grenzübergängen und Kontrollen niedlich zu sein

Die Wahl des Reiseziels

Bei der Wahl des Reiseziels ist man mit einem Vierbeiner von nun an stark an diesen gebunden. Man sollte sich also einerseits fragen:

Möchte ich meinem Hund eine lange Auto/Zug/Bus/Flug-Reise zumuten?
Ist mein Hund körperlich schon/noch so fit, dass er das mit gutem Gewissen schafft?
Hat der Hund Spaß am Reisen mit euch?
Könnt ihr euch während der Reise ausreichend (kommt auch auf die Rasse an) und hundegerecht um ihn kümmern?

Unsere Weltreise sollte also einmal von Berlin nach Boston Richtung Osten gehen. Durch Länder, in denen weder wir, noch Bekannte schonmal waren. Also der absolute Weg auf Abwegen. Das bedeutete, dass man einserseits die Sprache nicht spricht und eben die Einreisebestimmungen nicht erfahren kann oder aber, dass man an Grenzen steht und sich einfach nicht verständlich machen kann, dass der Hund gesund ist. In unserem Fall haben wir sämtliche Foren, Regierungsseiten und den Google Übersetzer gequält, bis wir für alle Länder die Einreisbestimmungen erfahren hatten. Unsere geplanten Reiseländer waren die EU, Türkei, Georgien, Azerbaijan, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadjikistan, Kirgisistan, Kasachstan, Russland, Mongolei, Japan, USA, Kanada. Beim Klick auf das jeweilige Land kommt ihr zu den von uns gefundenen Bestimmungen.

Nachdem ihr nun wisst, wo es hingeht, und was euer Hund braucht, um stressfrei einreisen zu dürfen, führt der nächste Weg zum Tierarzt. Erzählt ihm von eurem Vorhaben! Unsere Tierärzte in der Tierklinik Oerzen fanden das alles sehr spannend und haben uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Falls ihr also in Norddeutschland wohnt, geht dort unbedingt vorbei, sie sind großartig und  auf Hunde spezialisiert! Für unsere Reiseländer brauchte Laika lediglich eine gültige Tollwutimpfung, dazu haben wir noch eine Wurmkur mitbekommen, die wir alle drei Monate anwenden und Floh-, Mücken- und Zeckenschutz (in Tablettenform) die einen Monat Wirksamkeit haben. Bevor wir losgefahren sind, haben wir uns noch einen EU-Heimtierausweis ausstellen lassen (er ist auf verschiedenen Sprachen, leider nicht auf Russisch) und einen sogenannten Tollwut-Titer-Test machen und in den EU-Heimtierausweis eintragen lassen. Letztgenannter ist nicht gerade billig, aber ein zertifiziertes Labor stellt die Wirksamkeit der Tollwutimpfung fest. Dieser wird fast überall auf der Welt anerkannt und hilft dabei wieder zurück in die EU zu reisen.

Die Hundeapotheke

Als Übermutter des kleinen Schnuffelwuffs hatte ich Sorge, dass dem Hund unterwegs etwas passiert und wir ihm dann keine schnelle Hilfe zukommen lassen können, da andere Länder eventuell kein gut ausgebautes Tierarztnetz haben. Also habe ich eine kleine Reiseapotheke zusammengestellt. Folgende Sachen sind darin gelandet:

Grenzübergänge meistern

Obwohl man sich vor der Reise ausreichend mit den Einreisebestimmungen der einzelnen Länder auseinandergesetzt hat, kommt es an der Grenze dann doch meist anders. Die meisten Grenzübergänge hat Laika einfach als süßer Beifahrerhund passiert. Die Grenzbeamten haben sie gestreichelt und niedlich gefunden, aber niemand hat gefragt. Aber manchmal wird eben doch kontrolliert. Dann wird geschaut, ob der Hund wirklich der Hund ist, wie im EU Heimtierausweis beschrieben. Dazu sollte auf jeden Fall ein Foto eures Vierbeiners im Pass kleben und er muss gechipt oder sichtbar tätowiert sein. Meistens hat niemand an den Grenzen ein Chiplesegerät. Für längere Reisen empfehle ich also euch selbst ein günstiges zu besorgen (so wie dieses). So gibt es keinen Ärger an der Grenze.

Training

Wenn ihr mit eurem felligen Mitwohner unterwegs seid, denkt daran, dass es auch für ihn eine große Umstellung ist. Er ist entfernt von seiner gewohnten Umgebung, der Tagesablauf ist anders und überall wo er hinkommt sind neue Gerüche und Eindrücke, die er noch nie wahrgenommen hat. Vielleicht seid ihr auch in einem Gebiet, in dem Hunde nicht gern gesehen werden oder sogar gefürchtet. Es gibt eben auch Länder, in denen Hunde als unrein gelten (Islam). Das Anspringen, Ablecken oder nur Berühren gilt als Affront. Gebt eurem Tier also Zeit sich an die geänderten Umstände zu gewöhnen. Vielleicht hört er die ersten paar Tage nicht mehr gut, schläft sehr viel oder führt einfachste Kommandos nicht mehr aus, die sonst wunderbar geklappt haben. Habt Geduld! Geht wieder ein par Schritte zurück. Aber vor allem, nehmt ihn an die Leine, wenn er keinen sicheren Rückruf kann.

Tägliches Leben

Genau wie zu Hause, sollte der Hund auch unterwegs eine Routine haben. Das muss kein Futter auf die Minute pünktlich sein, aber der morgendliche Spaziergang nach dem Aufstehen oder bestimmte Kommandos bevor es Futter gibt. Das hilft ihm, sich zu orientieren und einzugewöhnen. Wir machen es so, dass einer von uns mit dem Fluff direkt nach dem Aufstehen eine kleine Runde geht. Wenn das Menschenfrühstück, bzw. -abendessen fertig ist, bekommt der Hund sein Futter. Mittags oder – wenn es zu warm ist abends – gehen wir eine große Runde. Das machen wir aber immer wenn es noch hell ist, sonst ist Laika etwas unsicher. Vor dem Schlafengehen gibt es nochmal eine schnelle Pipi-Runde. Wann immer es möglich ist, nehmen wir sie mit. In Supermärkte und in Kletterhallen darf sie natürlich (leider) nicht, aber sonst ist unsere Maxime: Ohne Hund, ohne uns! Da lassen wir dann auch mal Sehenswürdigkeiten aus.
Versetzt euch im täglichen Leben auch mal in seine Lage. Unterschiedliche klimatischen Bedingungen empfindet auch euer Wautz manchmal als unschön. Laika hat zum Beispiel langes, dichtes, schwarzes Fell. Sobald sie beim Autofahren in der Sonne liegt (und mag es draußen noch so kalt sein), ist ihr sofort zu warm. Daher haben wir einen Lüfter, der nur für sie ist. Außerdem solltet ihr immer (auch während des Fahrens) dem Hund ausreichend Wasser zur Verfügung stellen. Wir haben dafür diese Flasche und diesen Trinknapf immer im Staufach vorn dabei. Achtet auch gerade beim Fahren darauf, dass euer Hund einen sicheren Platz hat, also angeschnallt ist, nicht wegrutschen kann und sich sonst nicht bei dummen Gedanken verletzen kann. Laika sitzt bei uns vor auf dem Mittelplatz, hat immer ein Geschirr (so eins) an und ist angeschnallt (damit). Wichtig ist auch, dass ihr den Hund beruhigen könnt, wenn das Auto ungewohnt rumpelt und sich bewegt. Menschliche Nähe tut ihm  so gut.

Und der allerwichtigste Punkt kommt zum Schluss: Habt Spaß! Ihr liebt euren Vierbeiner, also schnappt ihn euch und sein Bällchen und ab auf die nächste Wiese, Strand, Berg, was auch immer in der Nähe ist. Soviel Zeit, eine Bindung aufzubauen, wie während des Reisens werdet ihr nie wieder mit eurer Fellnase haben und diese Zeit mit euch wird er lieben!


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