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Von der Antike ins Schlammloch

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Vor ein paar Wochen konntet ihr ja bereits von unserer eingeschobenen Feldinstandsetzung des Dachgepäckträgers lesen. Das kam genau an dieser Stelle, als wir uns von Thessaloniki weiter an der Küste vorarbeiteten. Wir fuhren die Küstenstraße, was zur Folge hatte, dass dort eher kleine Urlaubsorte, als Platz für uns zu finden war. Über etwas holprige Wege fanden wir aber ein kleines Paradies. Eine Mini-Bucht mit steinigem Strand, unbewohnt und hinter so vielen Hecken, dass sie kaum zu sehen war. Dort hielten wir also, um einige Reparaturen zu tätigen. Diese kurze aber auch wohlverdienten Zwangspause wurde nicht nur zum Schrauben an Ernst genutzt, sondern Martin konnte auch seine Schnitzfähigkeiten unter Beweis stellen, indem er mit dem neuen Taschenmesser von Mama aus einem Stück Treibholz den abgebrochenen Bratpfannengriff ersetzte. Diese liebgewonnene Pfanne war nämlich Conny jahrelanger Begleiter und hat schon den ein oder anderen Umzug an Deutschlands Küsten hinter sich (Viel wichtiger ist eigentlich, dass ihr Nachnahme eingraviert ist und sowas kann man ja nicht einfach weggeben!). Liegt jetzt auch viel besser in der Hand und ist sicher noch mehr ein Unikat.

Aber nach wenigen Tagen zog es uns schon weiter gen Osten. Es scheint uns Vanlifer alle irgendwie immer in die gleiche Richtung zu treiben, denn schon an dem nächsten Übernachtungsplatz trafen wir endlich die ersten Gleichgesinnten auf dieser Reise. Linda und Jonathan hatten es sich genau an der kleinen Bucht bequem gemacht, die wir über Sattelitenbilder zu unserem nächtlichen Schlafplatz auserkoren hatten. Aber man teilt ja gerne, und so wurde es anstelle eines fleißigen Arbeitsabends am Computer doch lieber die gesellige Runde bei Wein und Keksen im senfgelben Mercedesbus der beiden. Übrigens auch ein absolutes Unikat, oder wer kann mir ein anderes deutsches Auto zeigen, das einen Holzofen vorzuweisen hat?

Für Laika war dieses Treffen aber mit Sicherheit die größte Freunde von uns alles, denn Linda und Jonathan hatten sich in einem kleinen kosovarischen Dorf in einen Welpen verliebt und ihn kurzerhand adoptiert und mit dem Namen Reco versehen. Der erste Hundekontakt auf dieser Reise stnad Laika also bevor. So konnte unsere – schon fast erwachsene – Hündin mal zeigen wie man so von Hund zu Hund erzieht…oder zumindest sehr viel Spaß auf vier Pfoten hat.

Am nächsten Morgen trennten sich dann unsere Wege mit dem recht sicheren Gefühl sich irgendwo auf dieser Reise nochmal wieder zu sehen. Aber sich wirklich verabreden, das klappt in dieser Welt nicht wirklich, denn viel zu oft geht etwas kaputt oder ein kleiner netter Feldweg lockt einen zu traumhaft schönen Plätzen und läd zum Verweilen ein. Unsere Route folgte ab jetzt der antiken Marmorstraße, vorbei an wunderschönen Olivenhainen und atemberaubenden Ausgrabungsstätten und mitten durch gemütliche Kuhherden. Und immer wieder durch schmale Pfade, überwuchtert von uralten Bäumen. Schon während der Fahrt kam es uns so vor, als sei diese Straße nicht unbedingt für Camper geeignet, und ein Blick in den Reiseführer offenbarte auch erst am Ende der Strecke, dass Fahrzeuge ohne Allrad und über 3 Meter Höhe sich besser einen anderen Weg suchen sollten. Ging trotzdem irgendwie, wenn auch langsam.

Und dann war da dieser eine verhängnisvolle, regnerische Tag kurz vor der türkischen Grenze. Wohlich vollgefuttert mit griechischen Leckereien waren wir auf der Suche nach einem ruhigen Platz für die Nacht. Der kleine Feldweg, der von der Schnellstraße abführte sah auch sehr verlockend aus. Ein paar Felder links und rechts, kleine Wäldchen in der Ferne… es schien perfekt. Nur irgendwie waren der aufgeweichte Boden und Ernsts stattliche 2,8 Tonnen nicht gut miteinander vereinbar, und so steckten wir relativ unerwartet bis zur Achse im Schlamm fest. Ihr erinnert euch vielleicht an unser erstes Montagsfoto auf Facebook. Da half auch die tolle Differentialsperre nicht mehr weiter. Und natürlich wurde genau in den Moment aus dem leichten Regen ein recht ansehnlicher Schauer. So mussten in den folgenden Stunden (ja, Stunden) die Bäche, die den Abhang zu Ernst strömten, umgeleitet und viele Steine vom Wegesrand in unsere Fahrspur geschleppt werden. Auch die Winde hatte ihren ersten richtigen Einsatz und durfte Ernst mehrmals korrigierend auf den festeren Teil des Pfades zurück ziehen. Letztendlich haben aber nur die Sandbleche wirklich geholfen, uns wie Münchhausen am eigenen Schopfe auf dem Schlamassel zu ziehen. Und überall war Schlamm. Am Auto, unter dem Auto, an den Sandblechen, der Winde, den Klappspaten, der Waschtonne, den Stiefeln, Hosen, im Auto, dem Hund. Wirklich überall. Die 100 Meter rückwärts hatten uns geschafft. Manchmal lernt man jedem Zentimer zu schätzen, den man in die gewollte Richtung kommt. Also wurde an genau den Ort der Freiheit auch der Feierabend ausgerufen (Inzwischen war es ja auch schon dunkel und vergesst den Regen nicht).

Hoffentlich passiert uns sowas nicht noch einmal…oder was hat die Türkei in Petto für uns? Damit geht es beim nächsten Mal weiter.

Sonne, Palmen, Sonnenschein – was kann schöner sein?

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Es stimmt zwar in keinster Weise, denn wir waren vorher noch nie so richtig in Griechenland, aber es fühlte sich an wie nach Hause zu kommen. Man ist doch schon ein echtes Kind der EU geworden, denn plötzlich waren die Grenzen keine echten Grenzen mehr, das Geld war bekannt und eine Stimmung der Gemeinschaft lag in der Luft. Vielleicht lag es auch an der Aussicht auf Sonne, Strand und Meer. So genau kann man das jetzt gar nicht mehr sagen, jedoch die Aussicht auf rauschende Wellen und warme Temperaturen lies Ernst noch ein paar km/h schneller fahren.

Der erste Morgen nach der kurzen Zwangsmautstraßenstrecke begann mit einer kleinen flackernden Kerze in einem Mini Törtchen sowie einem Ständchen von Laika und Martin zu Conny’s Geburtstag. Wer dabei nun schiefer gesungen hat, ist nicht mehr eindeutig nachzuvollziehen, aber es war ganz sicher der Hund 😉. Dennoch hat sich jemand sehr darüber gefreut.

Dem tollen, romantischen Abendessen in der Hafenstadt Thessaloniki trat leider ein massives Kommunikationsproblem mit der Kellnerin entgegen. Man darf sich einfach nicht darauf verlassen, dass die Kellnerin einem wirklich etwas zu Essen bringt, nur weil sie sich freundlich für die Bestellung bedankt. Nach 1 ½ Stunden geduldiger Wartezeit (man hört ja immer, dass die südlichen Länder es nicht so eilig haben) schwenkten wir dann zu einem kurzen Snack um, und fuhren entlang der Bucht um die Stadt in ihrer vollen Pracht über die See betrachten zu können.

Da waren wir nun endlich, am Meer! Lediglich die Sonne und die hohen Temperaturen fehlten, aber immerhin. Von nun an sollte es endlich so wirklich richtig Osten gehen. Auf ins Unbekannte, ins Raue, ins Neue. Denn um ehrlich zu sein… es fühlte sich jetzt schon wieder weniger wie das große Abenteuer an als in den vorherigen Ländern. Was muss nur passieren, damit man endlich begreift dass es kein zu lang geratener Pauschalurlaub ist? Einen Vorgeschmack wartete schon am Östlichen Ende des Landes auf uns, aber dazu beim nächsten Mal mehr.